Darum ist ein freies Sichtfeld beim Staplerfahren so wichtig

Stapeln ohne freie Sicht – mach das lieber nicht! Knapp 80 Prozent der Unfälle im Lager geschehen wegen eines eingeschränkten Sichtfeldes. Logisch also, dass du unbedingt für ein ausreichend großes Blickfeld sorgen musst. Wie du das am besten anstellst und wie du dich auf keinen Fall verhalten solltest, liest du in diesem Beitrag.

Voraussetzung Eignungsuntersuchung

Wusstest du, dass du als Staplerfahrer 90 Prozent der für das Stapeln notwendigen Informationen visuell, also mit deinen Augen, aufnimmst? Ist diese Wahrnehmung gestört, ist dementsprechend auch deine Fähigkeit des Stapelns stark eingeschränkt – es drohen schwere Unfälle. Um sicher zu gehen, dass dein Sichtfeld von Natur aus nicht eingeschränkt ist und du theoretisch zum Staplerfahren geeignet bist, wird deine Sehvermögen bei der Eignungsuntersuchung, die du im Rahmen des Staplerscheins absolvieren musst, untersucht. Weitere Informationen zur Eignungsuntersuchung haben wir übrigens hier für dich zusammengestellt. Neben dem Fern- und Nahsehen wird während der Untersuchung auch getestet, ob du bei schwierigen Lichtverhältnissen den Durchblick behältst.

Kritisch wird es, wenn das Sichtfeld von äußeren Einflüssen gestört oder gar ganz verdeckt wird. Das fängt bei deinem eigenen Gabelstapler an: Die Fahrerkabine raubt dir aufgrund ihrer Bauweise einen Teil der Sicht nach vorne, zu den Seiten und nach oben. Dazu kommt der Hubmast direkt vor deiner Nase, eventuelle Anbaugeräte schränken dich in deinem Blickfeld noch weiter ein. Du merkst – den Durchblick zu behalten, ist selbst bei einem unbeladenen Stapler gar nicht so leicht!

Die Ladung schränkt dein Sichtfeld weiter ein

Natürlich schränkt auch die transportierte Ware deine Sicht erheblich ein. Dabei macht es einen großen Unterschied, ob du nur zwei oder doch zehn Paletten gleichzeitig stapelst. Jede zusätzliche Palette erschwert dir die Sicht und macht es dir schwerer zu erkennen, was sich vor deinem Stapler abspielt. Folgendes Verhalten solltest du in einer solchen Situation auf keinen Fall an den Tag legen:

  • Die Gabel anheben, um unter der Ladung durchzuschauen. In diesem Fall verlagert sich der Schwerpunkt, und je nach Gewicht der transportierten Ware kann dein Stapler kippen – ein Worst-Case-Szenario mit hohem Verletzungsrisiko!
  • Davon ausgehen, dass das schmale Blickfeld für dich ausreichend ist und es deswegen keine Unfälle geben wird. Die eingeschränkte Sicht mag vielleicht ausreichend sein, um den groben Weg durchs Lager zu finden, da du dich dort bestens auskennst und die Anfahrtswege wie deine Westentasche kennst. Fußgänger oder unbeteiligte Personen allerdings sind mit den Wegen oftmals nicht vertraut und können plötzlich ungesehen vor deinen Stapler treten – mit fatalen Folgen!

Sinnvolle Maßnahmen zur Vergrößerung des Sichtfeldes

Es gibt aber auch eine clevere Möglichkeit, trotz eines voll beladenen Hubmastes den Durchblick zu wahren: das Rückwärtsfahren. Was fürs erste merkwürdig klingt, ist in Wirklichkeit eine gute und oft genutzte Alternative zur „Blindfahrt“. Das einzige Problem dabei sind Verspannungen im Schulter-, Rücken- und Nackenbereich, die auftreten können. Abhilfe schafft die nötige Portion Sport in deiner Freizeit, auch gezielte Übungen während deiner Staplerpause beugen Rückenschmerzen und Co. vor oder helfen dabei, diese loszuwerden.

Hersteller suchen nach Lösungen

Auch viele Stapler-Hersteller haben erkannt, dass die Vergrößerung des Sichtfeldes ein Thema ist, mit welchem sich die Arbeitssicherheit nochmals verbessern lässt. Neben drehbaren Sitzen oder Cockpits, die das Rückwärtsfahren erleichtern, arbeiten die Hersteller vor allem daran, das Kabinengehäuse schmaler und filigraner zu gestalten.

Die Dächer von Gabelstaplern bestehen zum Beispiel zumeist aus Metallverstrebungen, die Staplerfahrer vor herunterstürzenden Lasten schützen sollen. Da die Verstrebungen allerdings nicht vor herunterfallenden Kleinteilen schützen und sie darüber hinaus die Sicht nach oben stark erschweren, – was das Ein- und Auslagern in großen Höhen oftmals zur Gefühlssache macht – bieten immer mehr Hersteller Staplermodelle mit einem durchsichtigen Dach aus Sicherheitsglas oder Polycarbonat an. Es werden außerdem Konzepte entwickelt, die es erlauben, den Hubmast bei gleicher Hubleistung schmaler zu fertigen.

Im Zweifel lieber zweimal fahren

Du siehst: Die Stapler-Hersteller sind dabei, übersichtlichere und filigranere Modelle zu entwickeln, damit du während des Stapelns eine möglichst uneingeschränkte Sicht auf die Dinge hast. Du selbst kannst allerdings auch eine Menge dafür tun, deine Ware sicher von A nach B zu bringen und keine unnötigen Unfälle zu bauen. Nimm für eine gute Sicht im Zweifel lieber etwas weniger auf die Zinken, statt die gesamte Gabel voll zu laden. Dein Chef wird dafür mit Sicherheit Verständnis haben – die Sicherheit im Lager ist schließlich wichtiger als alles andere!

Rauf auf den Stapler!

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